Aus: Flensborg Avis

Voruntersuchung für einen „Kulturbahnhof“

11.12.2014 | 09:47 |

Dirk Thöming

Kulturzentrum: Laut Plan soll unter anderem die Kulturwerkstatt Kühlhaus in das alte Gebäude der einstigen Bahnpost gleich neben dem Bahnhof einziehen. Ein Architekt ist vor kurzem damit beauftragt worden, einen ersten Entwurf zu erarbeiten.

Die Stadt trägt sich mit Plänen, zwischen den ehemaligen Lokführer-Wohnungen (links) und dem Postgebäude einen Konzertsaal zu bauen. Somit ließen sich künftig größere Konzerte, beispielsweise Folk-Baltica-Konzerte, veranstalten. Foto: Lars Salomonsen

Flensburg – Ein neuer Kulturbahnhof in Flensburg mit dem Arbeitstitel „Kulturbahnhof“ ist offenbar am Entstehen. Die Sanierungsgesellschaft der Stadt, „Ihrsan“, hat einen Architekten mit Voruntersuchungen des Gebäudes der alten Bahnpost neben dem Flensburger Bahnhof beauftragt. Laut Plan soll das Gebäude aus dem Jahre 1927/28 instand gesetzt und in Zukunft als neues Kulturzentrum auf dem Bahnhofsgelände genutzt werden. Darüber hinaus trägt sich die Stadt mit Plänen, in diesem Bereich etwa 800 neue Wohnungen für bis zu 1.300 Bewohner zu errichten. Diesem Zweck soll das Kühlhaus weichen, das dem Erdboden gleichgemacht werden soll, um dem neuen Wohnungskomplex Raum und Ruhe zu geben.

Auch das Grundstück des Sportvereins VfB Nordmark ist Teil der Baupläne. Oder besser gesagt, des früheren Vereins, denn den Sportklub gibt es inzwischen nicht mehr. Das Kühlhaus soll Einzug in die alte Bahnpost halten, die zuletzt in den 80er Jahren als Postgebäude genutzt worden ist. Man sieht dem Gebäude seine Sanierungsbedürftigkeit durchaus an. Die Planer der Stadt schätzen, dass der Umbau insgesamt etwa vier Millionen Euro kosten wird. Dabei handelt es sich indes lediglich um eine vorsichtige Schätzung.

„Zunächst einmal soll sich ein Architekt das Gebäude ansehen, eine genaue Analyse vornehmen und einen Plan entwerfen, welche Möglichkeiten der künftigen Gebäudenutzung es überhaupt gibt“, sagt Andreas Gutschank, Projektleiter des Sanierungsträgers.

 

Anbau mit neuem Konzertsaal

 

In der veranschlagten Investitionssumme ist der Bau eines neuen Konzertsaales inbegriffen. Dieser soll zwischen den beiden Gebäuden entstehen, aus denen das alte Postgebäude besteht. Das Hauptgebäude verfügt über vier Stockwerke (1.750 Quadratmeter). Hinzu kommt ein kleineres, fünfgeschossiges Gebäude (550 Quadratmeter), das früher als Übernachtungsmöglichkeit für Lokführer genutzt wurde. Das Grundstück zwischen den beiden Gebäuden könnte man für den Bau eines Saales mitsamt Bühne nutzen, der 250 bis 400 Personen Platz böte.

„Das Kühlhaus hat maximal Platz für 200 Besucher, was wiederum bedeutet, dass man in Zukunft Konzerte einer ganz anderen Größenordnung veranstalten könnte“, sagt Andreas Gutschank.

Das Seitengebäude könnte unter anderem Atelier und Künstler-Wohnung enthalten (artist in residence), zwei Funktionen, die dann vom Kulturzentrum KKI in der früheren Schule an der Duburger Straße dorthin verlagert werden. Das dortige Kulturzentrum ist geschlossen worden, weil das Schulgebäude Teil eines Bauprojektes ist. Zudem gibt es auch ein neues Kunststudienfach an der Europa-Universität in Flensburg, das man ebenfalls gern dort ansiedeln würde.

 

Noch viele lose Enden

 

Schon vor Beginn der Untersuchungen stand fest, dass es in dem Bahnpostgebäude viele lose Enden gibt. Das kommende Jahr soll unter anderem dazu genutzt werden zu erörtern, wie man die unterschiedlichsten Nutzer des neuen Kraftzentrums unter einem Dach unterbringt.

„Baubeginn wird frühestens 2016 sein“, so der Projektleiter der Sanierungsgesellschaft. Die Bahnpost ist schon einmal an einen privaten Investor verkauft worden. Die Stadt hat sie für 80.000 Euro zurückgekauft. Der Preis ist vergleichsweise niedrig, da darin kein Grundstück enthalten ist. Zurzeit kann das Gebäude nur betreten werden, wenn man über das Nachbargrundstück von „Elektro-Muttersbach“ geht.

„Der Grundstückskauf, gedacht unter anderem zur Anlage einer Zufahrt und von Parkplätzen, ist Teil der gegenwärtig laufenden Verhandlungen“, verrät Andreas Gutschank.

 

Möglich oder nicht?

 

Die ganz große Frage lautet zudem, ob sich das Gebäude überhaupt für die gewünschten Zwecke eignet.

„Wir müssen untersuchen, ob es praktisch überhaupt möglich ist, dass das Kühlhaus dort einzieht“, sagt Andreas Gutschank. Die Kulturwerkstatt und weitere Fachbereiche arbeiten derzeit in einer städtischen Arbeitsgruppe an der Projektentwicklung. Zugleich hofft man dort, auf eine Beteiligung von Bund und Land in Höhe von 50 bis 60 Prozent, das heißt, auf bis zu 2,5 Millionen Euro.“


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