Aus: JydskeVestkysten

Ein Heim für Veteranen

06.11.2014 | 15:48 |

Stefan Axelsen

Versammlungsort: Die Pläne für ein Veteranenheim für traumatisierte Soldaten in der Kommune Apenrade nehmen Form an: Initiator Harley Lund hat das Vorhaben kürzlich mit Apenrades Bürgermeister Thomas Andresen erörtert, der sich wiederum dafür einsetzt, geeignete Gebäude für diesen Zweck zu finden.

Harley Lund und fünf weitere Kriegsveteranen diskutierten ihre Pläne für ein Soldatenheim in der Kommune vor Kurzem mit dem Apenrader Bürgermeister Thomas Andresen (V).

Für ehemalige Soldaten, die seit ihrer Entsendung mit psychischen oder physischen Leiden zu kämpfen haben, soll das geplante Heim ein Treffpunkt sein. Foto: Claus Thorsted

Apenrade/Aabenraa – In letzter Zeit kann Harley Lund nachts kaum schlafen. Sein Erinnerungsvermögen macht ihm zu schaffen; auch kann er sich kaum erinnern, ob das Sommerlager, in dem er Angehörige von Soldaten kennenlernte, im Jahre 2012 oder 2013 stattgefunden hat. Durch die starke Medizin, die er nimmt, kann er sich zudem nur schwer konzentrieren; mitunter leidet Lund zudem unter depressiven Verstimmungen.

Den schlimmsten Schlag hatte Harley Lund zweifelsohne vor zwei Jahren hinnehmen müssen, als ihm eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) diagnostiziert wurde. Wegen seiner Erkrankung war er nicht länger imstande, mit seiner Familie, darunter seiner kleinen Tochter, unter einem Dach zu wohnen.

Seine Entsendung als Soldat – im Jahre 2001 in den Kosovo und 2003 in den Irak – hat seine psychische Gesundheit belastet.

„Es trifft einen – und man merkt es nicht einmal! Ich war völlig neben der Spur, was auch die Beziehung zu meiner Familie belastet hat. Ich hoffe, dass ich jetzt Soldaten, die in einer ähnlichen Situation sind, helfen kann“, begründet Harley Lund seine Initiative. Er ist Gefängniswärter, doch zurzeit krankgeschrieben. Jetzt setzt er sich für die Gründung eines Veteranenheims für ehemalige Soldaten in der Kommune Apenrade ein, denn daran fehle es dort, wie er meint.

„Die Veteranenvereine in Høvelte, Aarhus und Varde sind in jüngster Zeit ausgebaut worden. Die Kriegsveteranen sind mitgezogen. Bislang müssen Veteranen aus Nordschleswig bis nach Frederica fahren, um sich mit Leidensgenossen zu treffen. Wir würden es ihnen gern ein bisschen einfacher machen.“

Ursprünglich bestand die Idee darin, in der Kommune ein Grundstück für das neue Center zu finden. Es soll unter anderem eine Notunterkunft für frühere Soldaten beherbergen, die jetzt im Wald leben oder sonst wo, fern jeglicher Geborgenheit. Zugleich solle das Heim ein Ort sein, der Perspektive bietet – und nicht nur eine Versammlungsstätte, wo sich vom Kriegs- und Kriseneinsatz gezeichnete  Soldaten bei einer Tasse Kaffee über die Vergangenheit austauschen, wie Harley Lund erläutert: „Normalerweise handelt es sich bei diesen ehemaligen Soldaten um Sozialhilfeempfänger, deren Dasein nach dem Einsatz aus dem Gleichgewicht geraten ist und die daher nicht wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß gefasst haben. Hauptzweck des Veteranencenters ist es, ihnen Lebensmut zu geben und sie wieder auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren. Daher ist eine breite Zusammenarbeit mit nordschleswigschen Unternehmen zwingend notwendig“, wie Lund betont.

 

Der Bürgermeister steht dem Vorhaben positiv gegenüber

 

Am vergangenen Freitag trafen sich Harley Lund und fünf weitere Kriegsveteranen mit dem Bürgermeister der Kommune Apenrade, Thomas Andresen (V), um die Rolle der Kommune bei diesem Vorhaben zu erörtern.

 

Der Bürgermeister steht dem Ansinnen aufgeschlossen gegenüber, etwas für frühere Soldaten zu tun, die für ihr Land gekämpft haben. Zugleich aber sei es vonnöten, mit Vorsicht zu Werke zu gehen, wie Andresen betont: „Zunächst einmal müssen wir herausfinden, wie groß der Bedarf für ein derartiges Heim ist, wobei es der Kommune wichtig gewesen ist zu betonen, dass sie sich nicht an dem Betrieb des Heims beteiligen wird – und dass starke Kräfte von außen in dem Vorstand, der demnächst gewählt werden soll, mitwirken“, wie er unterstreicht.

Seitens der Kommune wolle man gern zu dem Projekt beitragen, indem man darüber nachdenke, welche Gebäude die Kommune den Veteranen gegebenenfalls für  ihr Vorhaben zur Verfügung stellen könnte. Es sei wichtig, dass ehemalige Soldaten einen Ort bekommen, an dem sie sich geborgen fühlen können, wenn ihr Alltag aus den Fugen gerät.

 

Zeithorizont 2015

 

Läuft alles nach Plan, so hofft Harley Lund, dann könne das Heim bereits 2015 realisiert werden. Der Gesamthaushalt wird auf gut 2,5 Millionen Kronen veranschlagt. Daher ist eine Arbeitsgruppe gegründet worden, die wiederum eine staatliche finanzielle Förderung in Höhe von 3,4 Millionen Kronen beantragt hat.

„Mit diesem Geld könnten wir das Heim einrichten und den Betrieb für die ersten vier Jahre gewährleisten. Sollte es uns nicht gelingen, in den Genuss staatlicher Fördermittel zu kommen, werden wir uns an Stiftungen vor Ort wenden und eventuell an größere nordschleswigsche Unternehmen, die bereit sind, unser Projekt zu unterstützen.“

 

Eiserner Wille – Ironman

 

Auch sonst unternimmt Harley Lund einiges, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf sein Vorhaben zu lenken. Für August 2015 hat er sich für die Teilnahme am „Ironman“ angemeldet: Damit hofft er 500.000 Kronen für sein Projekt zusammenzubekommen.

„Ich setze darauf, dass ich das durchstehen werde. Ohne hartes Training geht es nicht, aber schließlich habe ich dafür auch Zeit genug.“

 

Die beste Lage

 

Künftiger Standort des Veteranenheims könnte irgendwo zwischen Tingleff im Süden bis Woyens im Norden sein. Auf diese Weise könnten viele Ex-Soldaten von der geografischen Lage profitieren – zumal sie bislang bis nach Fredericia fahren müssen, um sich mit Gleichgesinnten zu treffen. Ein weiteres Anliegen des Fördervereins besteht darin, Angehörigen mit Rat und Informationen über Belastungsstörungen zur Seite zu stehen, sodass es den Familien leichter fällt, die Veränderungen eines geliebten Menschen nachzuvollziehen, wenn dieser aus dem Krieg nach Hause zurückgekehrt. Das neue Heim soll laut Plan vier bis sechs Zimmer beherbergen und zugleich Treffpunkt vor allem für Veteranen aus Nordschleswig sein.


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