Aus: Flensborg Avis

Dänische Bibliothek als Zentrum der Ahnenforschung

13.11.2014 | 16:20 |

Dirk Thöming

Grenzüberschreitend: Die Dänische Zentralbibliothek und die Schleswigsche Sammlung tragen sich mit ehrgeizigen Plänen für ein deutsch-dänisches Center auf dem Gebiet der Ahnenforschung in der Region. Am 15. November findet ein Tag der Ahnenforschung statt.

Marco Petersen lädt am 15. November zu einem großen Tag der Ahnenforschung in die dänische Bibliothek in Flensburg ein. Foto:Lars Salomonsen

Flensburg – Die dänische Bibliothek an der Flensburger Norderstraße verleiht nicht nur Bücher: Sie beherbergt darüber hinaus ein großes Archiv und die Schleswigsche Sammlung, die  aus mehr als 50.000 Büchern besteht. Vor diesem Hintergrund veranstaltet die Bibliothek am Sonnabend, 15. November, einen großen Tag der Ahnenforschung in Form eines Tages der offenen Tür.

Geplant sind Vorträge über die Ahnenforschung; zudem stellen 18 Vereine und Arbeitsgruppen sich und ihre Arbeit auf dem Gebiet der Ahnenforschung vor.

„Man muss den kulturellen Hintergrund schon kennen, wenn man sich mit der Ahnenforschung befasst und sich auf die Suche nach den eigenen Wurzeln begibt. Dafür bietet das Material, über das wir hier in der Schleswigschen Sammlung verfügen, einen idealen Ausgangspunkt“, stellt Marco Petersen, Projektmitarbeiter der Sammlung, fest.

Die Ahnenforschung ist wiederum Teil eines Vorhabens, das die Schleswigsche Sammlung zu einer Forschungsbibliothek weiterentwickeln soll, eine Initiative, die der Südschleswig-Ausschuss mit Projektzuschüssen finanziert.

Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln bietet es sich an, mehrere Quellen und Archive, wie beispielsweise Kirchenbücher sowie Polizeinotizen, etc. zu nutzen.

Laut Marco Petersen ist es jedoch auch wichtig, sich über die Zeit an sich und historische Gegebenheiten zu informieren.

„Hat man beispielsweise einen Urgroßvater, der Lehrer gewesen ist und Südschleswig verließ, hatte man nach dem Jahr 1864 Zugang zu Informationen, die besagen, dass dänische Lehrer und Pastoren aus ihren Ämtern entfernt und zurück nach Dänemark mussten“, wie Marco Petersen verrät. Bei Todesfällen, beispielsweise, könnten Zeiten mit Epidemien Aufschlüsse über die Todesursache geben. Kriege, Krisen und soziale Lebensbedingungen könnten ebenfalls Rückschlüsse zur Handlungsweise unserer Vorfahren liefern, so der Historiker.  Die Sammlung der Bibliothek verfügt zudem über Fachliteratur über Familien und Familiengeschichten – und nicht zuletzt über Ahnentafeln.

 

Ein neues Center für die Ahnenforschung

 

Marco Petersen wünscht sich, dass die Flensburger Bibliothek mithilfe ihres enormen Angebots zu einem deutsch-dänischen Zentrum der grenzüberschreitenden Ahnenforschung in der Region avanciert: „Es gibt einen großen Bedarf für eine Zusammenarbeit zwischen dänischen und deutschen Vereinen auf dem Gebiet der Ahnenforschung. Die Schleswigsche Sammlung könnte hierbei als grenzüberschreitender Dreh- und Angelpunkt und als Treffpunkt für Ahnenforscher und Historiker fungieren“, sagt Marco Petersen. Andere Archive wie beispielsweise das kommunale Archiv oder das Archiv des Nordfriesischen Instituts könnten ebenfalls genutzt werden. „Die Sammlung ist jedoch eine unentbehrliche Ergänzung der Archive, was viel zu wenigen Ahnenforschern bewusst ist. Das würden wir gern ändern“, wie der Projektleiter der Bibliothek betont.


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