Aus: JydskeVestkysten

Deutschunterricht ab der 3. Klasse: Das Apenrader Beispiel macht Schule

23.10.2014 | 12:51 |

Lone Rytter, Mads Sandemann, Morten Jacobsen, Josefine K. Jensen

Früher Sprachunterricht: Die Kommune Tondern hat beschlossen, ab nächstem Sommer den Deutsch bereits ab der 3. Klasse zu unterrichten. Die Kommunen Hadersleben und Sonderburg zögern noch.

Dana Sofie Jepsen ist 14 Jahre und besucht die 8. Klasse der Seegaarder Freischule. Der frühere Beginn des Deutschunterrichts, so sagt sie, habe sehr zu ihrem Sprachverständnis beigetragen. Anders Boye Hansen ist zehn Jahre und geht in die 4. Klasse. Er findet es lustig, wenn er mal in eine Art Kauderwelsch verfällt. Foto: Hans Christian Gabelgaard

In Apenrade hat man sich längst entschieden – und nun folgt die Kommune Tondern dem Apenrader Beispiel in Sachen Deutschunterricht: Ab nächstem Sommer beginnt dort der Deutschunterricht an den öffentlichen Schulen bereits in der 3. Klasse. Damit sind die beiden nordschleswigschen Kommunen der Schulreform voraus: Seit dem Beginn dieses Schuljahres werden Schüler der Volksschulen ab der 5. Klasse in der deutschen Sprache unterwiesen.

Henrik Mehlsen (Soz.), Vorsitzender des Kinder- und Schulausschusses der Kommune Tondern, begründet die Entscheidung mit der Grenznähe Tonderns und nicht zuletzt mit der Lage der Kommune in der deutsch-dänischen Grenzregion:

„Deutschland ist unser größter Exportmarkt. Es macht daher durchaus Sinn, dass man die Sprache hierzulande beherrscht. Unsere jungen Leute müssen für die Zukunft gewappnet sein. Deutsch ist in Europa eine große Sprachgruppe, ein Umstand, dem man hierzulande nicht immer Rechnung getragen hat.“

Im Haushalt der Kommune Tondern sind für das kommende Jahr 250.000 Kronen abgesetzt worden, mit denen der frühe Deutschunterricht sowie das Unternehmertum ab dem nächsten Schuljahr gefördert werden sollen.

 

Nicht mehr Unterrichtsstunden

 

Laut Per Hansen, Schulchef in der Kommune Tondern, steht noch nicht endgültig fest, wie der frühere Beginn des Deutschunterrichts an den Schulen umgesetzt wird: „Vom Stundenplan können wir dafür keine Stunden abzweigen. Die Verwaltung empfiehlt daher, dass die Stunden für den Deutschunterricht vom Konto für den begleitenden Unterricht genommen werden. Zudem könnten die Schüler während der Themenwochen und Thementage mit Deutsch in Berührung kommen“, resümiert Per Hansen. Im Unterschied zu Apenrade und Tondern warten Sonderburg und Hadersleben erst einmal ab:

„Ein früherer Beginn des Deutschunterrichts ist bei uns zurzeit kein Thema“, wie Erik Lorenzen, Vorsitzender des Kinder- und Ausbildungsausschusses in Sonderburg, betont.

 

Die Schüler lernen Deutsch, bevor es ihnen allzu peinlich wird

 

Deutsch: In der Søgård Friskole beginnt man mit dem Deutschunterricht, bevor die Schüler es allzu peinlich finden, deutsch zu sprechen.

 

 

Seegaard/Søgård –  Lehrer müssen sich mitunter an ihr kindliches Gemüt erinnern, das sie sich hoffentlich bewahrt haben, wenn sie in einer 4. Klasse Deutsch unterrichten. Sagt Helle Ehm, Deutschlehrerin an der Seegarder Freischule, die südlich von Apenrade liegt. Sie unterrichtet dort Deutsch in der 4. und 5. Klasse, wobei sie großen Wert auf das spielerische Element im Unterricht lege, wie sie sagt. Die Deutschlehrerin ist eine erklärte Fürsprecherin des Deutschunterrichts in den jüngeren Klassen:

„Die Schüler müssen sich schlicht trauen – auch wenn es um Spiele rund ums Deutsche geht. In der 7. und 8. Klasse ist die Schüchternheit diesbezüglich womöglich schon ausgeprägter. In der 4. Klasse aber trauen sich die Schüler noch, ohne ins Stocken zu geraten“, sagt Helle Ehm.

 

Das Material fehlt

 

Um die Schüchternheit ihrer Schüler zu überwinden, nimmt die Lehrerin das auf Deutsch Gesagte auf und spielt es anschließend vor der Klasse ab. Auf diese Weise gewöhnen sich die Schüler daran, sich selbst in einer Fremdsprache zu hören. Der einzige Nachteil eines früheren Deutschunterrichts, so sagt sie, bestehe darin, dass es nur wenig Material für den Unterricht in jüngeren Klassen gebe. Der Großteil des Unterrichtsmaterials wendet sich an Teenager, was wiederum die Kreativität der Lehrerin auf die Probe stellt:

„Wir haben den Vorteil, dicht an der Grenze zu leben: In Deutschland kaufe ich deutsche Kinderfilme und Spiele, die man Unterricht verwenden kann. Inspiration finde ich übrigens auch in dem Material für den Englischunterricht“, sagt Helle Ehm und räumt ein, dass eine Schule in Skagen natürlich nicht dieselben Möglichkeiten habe, geeignetes Material für den Deutschunterricht jüngerer Schüler zu finden.

In der Seegaarder Freischule steht der Deutschunterricht ab der 4. Klasse auf dem Stundenplan, wobei ab diesem Schuljahr auch die 0. bis 3. Klassen nicht um einen Deutschunterricht betrogen werden: Zweimal jährlich haben die vier jüngsten Klassenstufen eine Sprachwoche mit zehn Stunden Deutschunterricht.


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