Aus: Flensborg Avis

Trinkschuppen: Zwei Gruppen, zwei Welten

30.10.2014 | 11:44 |

Tilla Rebsdorf

Menschen, die auf der Straße leben, und die Herausforderungen, denen sie begegnen, lassen sich nicht im Handumdrehen lösen, doch zumindest ist eine Annäherung möglich, wenn es alle Seiten wollen

Der Trinkschuppen oder Glashütte, wie der kleine Pavillon in der Neustadt auch genannt wird, ist für seine vielen Nutzer vor Ort viel zu klein. Foto: Lars Salomonsen

Flensburg: Der Trinkschuppen in der Flensburger Neustadt, auch Glashütte genannt, hat unter anderem den positiven Effekt, dass sich die Obdachlosen nun nicht mehr auf dem I. C.-Möller-Platz, an der „Phänomenta“ und am Nordertor aufhalten, sondern auf dem Hof hinter dem Supermarkt Edeka und dem Stadtteiltreff N21 eine neue „Bleibe“ gefunden haben. Dennoch ist bei Weitem nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Davon können jene Flensburger, die täglich diesen Stadtteil frequentieren, ein Lied singen. Und die Erklärung ist einfach.

„Hier gibt es zwei Gruppen – und wir kommen nicht gerade gut miteinander aus. Das gibt Probleme“, sagt einer der Nutzer des Trinkschuppens auf dem Platz hinter dem hohen Drahtzaun.

Reden wollen die Leute dort zwar gern, auch über die Konflikte zwischen den beiden Gruppen in der Neustadt, doch sie wollen weder ihren Namen in der Zeitung wissen noch fotografiert werden. Dass es, vereinfacht gesagt, um einen Konflikt zwischen Drogensüchtigen und Alkoholikern geht, halten sie für übertrieben.

„Viele hier sind mit ihrem Leben unzufrieden, und ihren Frust lassen sie an den verkehrten Leuten aus. Das geht dann schief!“, wie einer von ihnen sagt.

 

Mehr Platz bitte!

 

An einem sonnigen Mittwoch wie diesem wirkt der Platz nahezu gemütlich, doch so wohlgesonnen ist der Wettergott den Nutzern nicht jeden Tag! Der Trinkschuppen ist viel zu klein für die bis zu 30 Nutzer, die in diesem Stadtteil auf der Straße leben. Regnet es, bleibt so mancher der Straßenleute buchstäblich im Regen stehen. Stürmt es, zieht es im Schuppen wie Hechtsuppe – scheint die Sonne, wird er zum Treibhaus. Im Herbst hat es oft und viel geregnet, und irgendwann nahmen die Straßenleute die Sache in die eigene Hand. Sie brachen einige der alten Garagen auf, die ungenutzt auf dem Gelände liegen und zogen dort ein. Inzwischen sind die Garagen wieder abgeschlossen; bald sollen sie abgerissen werden.

„Dann müssen wir sehen, wo wir bleiben. Der Platz hier steht uns nur vorübergehend zur Verfügung, denn das ganze Gelände soll saniert werden. Aber wir ziehen erst dann weg, wenn die Bulldozer anrücken“, sagen die Betroffenen.

 

Eine Lösung ist dringend geboten

 

Die Gegend ist geprägt vom Drogenhandel und von Drogensüchtigen. Es stellt eine Herausforderung dar, der die Streetworker der Stadt nicht gewachsen sind. Das ist Sache der Polizei.

Die Sozialarbeiter wollen den Alkoholikern helfen; in der vergangenen Woche aber war an einem Tag beispielsweise kein Kontakt zu der Menschentraube vor der „Alten Deutschen Bank“ am N21 möglich: Zu hoch war der Blutalkoholspiegel.

„Wir brauchen eine Lösung – und das lieber heute als morgen. Es sieht nicht gut aus, wenn die Leute hier herumlungern“, sagt Monika Schleh von N21, während wüste Beschimpfungen durch die Luft fliegen.


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