Aus: JydskeVestkysten

Hilfe in der Not

30.10.2014 | 11:49 |

Palle Andersen

Krebshilfe: Die Beratungsstelle in Apenrade wendet sich an nordschleswigsche Bürger, die an Krebs erkrankt sind. Bei der Krebsberatung finden sie Rat und Hilfe rund um die Krebstherapie. Die Leiterin der Beratungsstelle, Nina Birch, berichtet über ihre Arbeit.

Nina Birch erläutert, wo sich die verschiedenen Gruppen der Krebsberatung treffen.

Apenrade/Aabenraa – Vor kurzem erst habe sie Besuch von einer Krebspatienten in der Beratungsstelle am Apenrader Nørreport gehabt, erzählt Nina Birch. Die Frau hätte zunächst gezögert, sich hilfesuchend an das Team zu wenden: Letztlich aber habe sie sich ein Herz gefasst und die Beratungsstelle doch betreten. Damit habe die Frau zugleich eine mentale Hemmschwelle überwunden:

„Die Patientin erzählte mir, dass sie bereits dreimal unten am Eingang gestanden habe, nur um dann wieder kehrtzumachen. Erst beim vierten Anlauf habe sie sich ein Herz gefasst, ist die Treppe hinauf gestiegen und zu uns gekommen“, erinnert sich die Leiterin der nordschleswigschen Beratungsstelle von „Kræftens Bekæmpelse“ in Apenrade, Nina Birch.

Die Frau habe die Hilfe bekommen, auf die sie gehofft hatte. Wie die meisten Nordschleswiger, die die Krebsberatung aufsuchen.

„Einige mag der Gedanke streifen, dass es doch eigentlich Blödsinn sei, uns dieses oder jenes zu fragen. Doch weit gefehlt: Die Leute können uns gern mit allem löchern, was ihnen auf den Nägeln brennt“, wie die Leiterin betont.

Es ist auch durchaus schon vorgekommen, dass die Krebspatienten die Beratungsstelle mit wertvollen Anregungen aufsuchten. Das Team dort griff diese Vorschläge dann dankbar auf und setzte sie um.

„Einmal besuchte uns ein alleinstehender Krebspatient. Er schlug vor, eine Gruppe für Singles zu gründen. Das, fanden wir, war eine wirklich gute Idee! Denn wen ruft man an, wenn man nachts allein zu Hause ist und sich nach einer Chemotherapie erbricht? Wie regelt man den Transport zu den Behandlungsterminen, wenn gerade niemand in der Nähe ist, den man fragen könnte?“, so die Leiterin. „Jetzt haben wir eine Single-Gruppe, die ein Netzwerk gebildet hat, sodass sich ihre Mitglieder gegenseitig unter die Arme greifen können.“

 

Wenn der Alltag droht...

 

Die Krebsberatung sprang natürlich auch in der  vergangenen „Knæk Cancer 2014“-Woche für die gute Sache in die Bresche.

Krebspatienten und deren Angehörige können bei Fachleuten Rat und Beistand erhalten – und zwar in allen Stadien einer Krebserkrankung. Die meisten Bürger kommen indes, nachdem ihre Behandlung abgeschlossen ist – dann, wenn sie nach einer kräftezehrenden Therapie in ihren Alltag zurückfinden müssen. Für viele Menschen ist dies eine besonders schwierige Zeit, denn die Angst davor, dass die Krebserkrankung erneut ausbrechen könnte, belastet sie. Vielen fällt es schwer, darüber mit Kollegen, Sportsfreunden, Freunden oder dem Partner zu sprechen.

„Einige leiden unter einem regelrechten „Rücksichtnahme-Syndrom“: Nur ja niemandem, schon gar nicht dem Partner mit der Krankheit und der damit verbundenen Verunsicherung auf die Nerven gehen! Einmal rief uns eine Frau an, deren Mann an Krebs erkrankt war. Sie kontaktierte uns ohne sein Wissen. Das Paar kam ein einziges Mal in die Krebsberatungsstelle. Der Mann aber wollte partout nicht über seine Krankheit reden. In einem solchen Fall sind wir machtlos!“, betont Nina Birch.

 

Krebserkrankungen treffen Männer und Frauen, wobei Männer die Mehrheit der Fälle ausmachen. Ihnen fällt es zudem im Allgemeinen schwerer als Frauen, ihren Gefühlen in Verbindung mit einer Krebserkrankung Ausdruck zu verleihen. Darum gibt es jetzt auch einen Männerklub in der Krebsberatungsstelle. Dessen Mitglieder treffen sich zu ihren Prämissen zu vielerlei Veranstaltungen in einem Herrenzimmer, das mit Dingen versehen ist, an denen Männer Gefallen finden. Automagazine, beispielsweise.

Der Krebs kennt auch kein Alter. Es kann jeden treffen! Dessen ist man sich selbstverständlich auch bei der Krebsberatung bewusst. Geht es um ein krebskrankes Kind, dann findet das Gespräch beispielsweise im Elternhaus statt, wo sich der kleine Patient geborgen fühlt. Auch sonst beraten die Mitarbeiter der Krebsberatung ihre Klienten gern in deren eigenen vier Wänden. Die meisten Beratungsgespräche finden indes in den heimeligen Räumen der Krebshilfe statt.

„Es gibt die Möglichkeit, einen Termin zu vereinbaren – man kann aber auch einfach bei uns vorbeischauen, gern anonym, falls man seinen Namen nicht preisgeben möchte. Es kann sein, dass man dann ein wenig warten muss, aber abgewiesen wird bei uns niemand. Wenn die Bürger zu uns kommen, dann sind sie wirklich auf schnelle Hilfe angewiesen“, wie Nina Birch aus Erfahrung weiß.

 

 

Gruppengespräch oder ein Gespräch unter vier Augen

 

Die Krebsberatung bietet zudem verschiedene Trauergruppen an, in denen sich Patienten mit Schicksalsgenossen austauschen können. Wer dies nicht möchte, hat die Möglichkeit, vertrauliche Gespräche mit einem Berater zu führen.

Neben den festangestellten Mitarbeitern engagieren sich etwa 50 Bürger ehrenamtlich für die Krebshilfe. „Einige von ihnen helfen betroffenen Familien, indem sie sie zu Hause entlasten. Andere wiederum sind des Deutschen mächtig und begleiten Patienten zu Therapien in Deutschland. Einige Helfer finden schnell einen Draht zu Kindern, andere zu Senioren. Und dann gibt es“, sagt Nina Birch über die unentbehrliche ehrenamtliche Hilfe, „dienstbare Geister, die beim Organisieren von Veranstaltungen helfen.“

 

Die Mitarbeiter der Krebshilfe

 

Die Krebsberatung in Apenrade hat fünf Mitarbeiter, deren Arbeitszeit insgesamt fast drei Vollzeitstellen ausmacht. Sie nennen sich Berater.  Die Leiterin Nina Birch ist ausgebildete Krankenschwester und Psychotherapeutin. Zum festen Mitarbeiterstab gehören ein Psychologe, ein Sozialberater, der zugleich Familientherapeut ist, ein Arzt, der Sexologe ist, sowie ein Verwaltungsangestellter, der das Telefon bedient und in der Regel derjenige ist, der die Besucher der Beratungsstelle in Empfang nimmt.

 

Kontaktaufnahme

Adresse: Nørreport 4, 1. Stock, Apenrade, Telefon: 0045 70 20 26 72; Email: aabenraa@cancer.dk.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 10 bis 15 Uhr. Freitag nach Vereinbarung.


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