Aus: Der Nordschleswiger

Apenrade blieb dem Segelschiff zu lange treu

30.10.2014 | 11:55 |

Dennis Uhlemann

Der Küstenort galt über Jahre hinweg als eine bedeutende Schifffahrtsstadt. Auch heute ist im Museum zu sehen, dass Apenrade im 18. Jahrhundert allerdings einen Fehler machte

Stefanie Robl Matzen vor einem Gemälde von Jes Jessen aus dem Jahre 1903.

Apenrade/Aabenraa Bereits seit dem 13. Jahrhundert haben Schiffe aus Apenrade die sieben Weltmeere besegelt. Schon die drei Makrelen im Stadtwappen deuten auf die Wichtigkeit der Fischerei, aber auch der Seefahrt hin. Auch wenn Apenrade als Handelsstadt lange im Schatten von Flensburg und Sonderburg stand, holte sie nach einiger Zeit deutlich auf.

Vom 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Apenrade eine ausgeprägte Seefahrerstadt. Die optimale Lage an der Förde und die nahe gelegenen Wälder bildeten die natürlichen Voraussetzungen dafür.  Die Seefahrt war grundlegend für die Entwicklung von Apenrade zu einer Stadt, die bald in aller Welt bekannt war.  Um 1800 segelten die Schiffe aus Apenrade vor allem nach Südamerika. Unzählige Schiffe aus Apenrade erreichten den Hafen von  Rio de Janeiro. In der damaligen Hauptstadt Brasiliens fragte man sich sogar, ob Dänemark ein Teil von Apenrade sei. Denn von der Stadt hörte man in Südamerika sehr viel, vom Königreich eher weniger. „Apenrade war zu dieser Zeit absolut dominierend in der Seefahrt in Dänemark, auch im Vergleich zu Kopenhagen“, so Stefanie Robl Matzen, die Leiterin des Schifffahrtsmuseums Apenrade.

Einen herben Rückschlag bedeuteten dann aber die Napoleonischen Kriege, Apenrade verlor 1807 den Großteil seiner Flotte. Es kam aber eine neue Blütezeit: Um 1864, dem Jahr des Deutsch-Dänischen Krieges, war Apenrade die bedeutendste Seefahrtsstadt der Region. Auch die Werftindustrie der Stadt blühte auf, es entstanden viele Apenrader Segelschiffe. Einige Jahrzehnte später gab es allerdings einen Bruch in der Entwicklung Apenrades, den es in der Nachbarstadt nicht gab.

Flensburg und Apenrade haben stets die gleiche Entwicklung genommen. Die Ausgangssituation in beiden Städten war gleich: Ein gut gelegener Hafen und ein gewisser   Wohlstand waren gegeben. Mit dem Aufkommen der Dampfschiffe im 18. Jahrhundert unterscheidet sich aber die Geschichte der beiden Städte. Während Flensburg der neuen Entwicklung gegenüber sehr aufgeschlossen war, wollten die Seeleute in Apenrade nichts von den Dampfschiffen wissen. Die Museumsleiterin erklärt:

„Die Menschen waren so stolz auf ihre Segelschiffe, sie konnten sich nicht vorstellen, dass irgendetwas anderes genauso toll sein soll.“

Es verbreitete sich  die Meinung, dass das Aufkommen von Dampfschiffen doch nur eine neue Mode sei und das diese „hässlichen Dinger“ bald wieder verschwinden. Dem war aber nicht so und Apenrade hinkte in der Entwicklung deutlich hinterher. In Flensburg enstanden Schiffswerften für Stahlschiffe. Die Küstenstadt stellte sich auf die neue Technik ein.  Weiter nördlich sah es ganz anders aus, berichtet Stefanie Robl Matzen: „Den Anschluss vom Segel- zum Dampfschiff hat Apenrade komplett verschlafen.“

Und das ist natürlich heute in den Museen zu beobachten: Während im Schifffahrtsmuseum in Flensburg überwiegend Dampfschiffe ausgestellt sind, zeigt das Apenrader Museum vor allem Modelle von Holzschiffen. Diese fallen neben dem beeindruckenden Hafenmodell besonders ins Auge. Das kulturhistorische Museum beherbergt außerdem eine der größten Sammlungen von Schiffporträts in ganz Dänemark. An nahezu jeder Wand sind die Gemälde zu bewundern. Außerdem nehmen die Seemänner Jørgen Bruhn, einer der größten Reeder in Dänemarks Geschichte, und Michael Jebsen, der einzige Pionier der Dampfschifffahrt in Apenrade, eine wichtige Rolle im Museum ein.

„Die gemeinsame Arbeit steht im Mittelpunkt“

Stefanie Robl Matzen erkennt viele Vorteile in der Fusion von Museen in  Nordschleswig / Die museumspädagogische Arbeit ist der Historikerin sehr wichtig

 

Apenrade/Aabenraa Schifffahrt ist ihre Welt – Stefanie Robl Matzen arbeitete schon an einem Projekt im Schifffahrtmuseum in Flensburg. Seit 2010 ist sie Leiterin des Kulturhistorischen Museums in Apenrade.

Was kannst du nach sieben Jahren hier über die dänische Museumslandschaft sagen?

Wir sind hier in Apenrade Teil eines relativ neuen Museumsverbundes „Museum Sonderjylland“. Wir sind ein  kleiner Teil des Verbandes, der aus insgesamt 22 Museen besteht. Das Kulturhistorische Museum Apenrade ist 1887 gegründet worden und ist zusammen mit dem Stadtmuseum Hadersleben eines der beiden ältesten hier in der Region.

Es wurde als normales Stadtmuseum gegründet. Der Schwerpunkt lag allerdings schon damals auf der Seefahrt, weil dieses Thema um 1900 ganz dominierend in Apenrade war. Wir beschäftigen uns einerseits mit der Schifffahrt der ganzen Region Nordschleswig und andererseits sind wir Stadtmuseum für Apenrade. Diese Struktur ist typisch für die Museen hier in der Region, die Stadtmuseen haben gleichzeitig noch einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt. Das hat natürlich Einfluss darauf, wie wir hier arbeiten. In Flensburg ist das nicht so.

Würdest du sagen, dass die dänische Museumslandschaft besser organisiert ist als die deutsche?

Das kann ich so nicht sagen. Ich kann aber sagen, dass es in Dänemark über 1.000 Museen gab und vor ein paar Jahren der Trend angefangen hat, dass man fusioniert. Es gab einen politischen Wunsch, dass man näher zusammenarbeitet. Das hat natürlich viele Vorteile, beispielsweise gibt es ein Sekretariat und die Museumsleiter müssen sich nicht mehr um alles selbst kümmern.

Das 2006 gegründete Museum Sonderjylland war eine der ersten großen Fusionen, die es in Dänemark gab. Es ist sehr lokal verankert, die gemeinsame Arbeit steht im  Mittelpunkt.

Arbeiten die Schifffahrtsmuseen in Apenrade und Flensburg zusammen?

Natürlich! Der Museumsleiter in Flensburg hat ungefähr gleichzeitig mit mir angefangen. Seit 2009 besteht nun schon eine regelmäßige Zusammenarbeit. Wir haben gemeinsam Konferenzen gemacht und sprechen uns ab, wenn wir Ausstellungen machen. Wir tauschen natürlich auch Exponate aus. Unser letztes gemeinsames Projekt war das Netzwerk „Das Maritime Erbe“, ein großes EU-Projekt, das in Zusammenarbeit mit den Touristenbüros entstanden ist. Zu diesem Projekt veranstalteten wir Workshops und erstellten eine gemeinschaftliche zweisprachige Homepage.

Wie sieht die museumspädagogische Arbeit in Apenrade aus?

Die Herbstferien sind bei uns seit 2007/2008 das große Highlight. Wir versuchen natürlich, mit unseren Aktionen die Kinder zu erreichen. Wir basteln Schiffe und verkleiden uns. Zudem testen wir aus, wie lange eine Kanonenkugel von den Kindern gehalten werden kann. Natürlich  wollen wir die Leute damit in unser Museum locken. Die Kinder sind begeistert, viele kommen jedes Jahr wieder: Das erste Mal mit dem Kindergarten, später mit den Eltern und Großeltern. Das ist natürlich super und wird bei uns sehr großgeschrieben.

Wie steht es um die finanzielle Lage des Museums?

Das Museum hat das aktuelle Haus zum 50. Geburtstag  1937 bekommen. Das Haus an sich ist zwar ansprechend, ich würde es aber von außen nicht mit einem Schifffahrtsmuseum verbinden. Mein früherer Chef ist auch gegangen, weil er gesehen hat, dass sich nichts bewegt. Er hatte jahrelang dafür gekämpft, dass wir ein neues Gebäude bekommen. Letztendlich haben wir uns dafür entschieden, hier zu bleiben. Es fand sich in der Stadt kein geeigneteres Gebäude. Wir waren dann sehr dankbar, dass wir vor drei Jahren Extramittel von ungefähr 1,5 Millionen Kronen bewilligt bekommen haben, um das Gebäude besser instand zu setzen.

Somit entwickelt sich das Museum schon noch weiter?

Auf jeden Fall! Wir haben nun einen vernünftigen Konferenzraum. Auch den Keller haben wir renovieren lassen. Wir versuchen ständig, mehr Ausstellungsplatz zur Verfügung zu stellen. So haben wir die Hafenausstellung erst vor knapp einem Jahr eröffnet.

Die Stadt der Seefahrer: Wo ist das zu sehen?

Apenrade/Aabenraa Wer   an der Küstenstraße von Apenrade entlangschlendert, kann  nicht übersehen, dass die Stadt eine  Vergangenheit in der Seefahrt hat.  Auch heute ist der alte Hafen (heute: Südhafen) aus dem 18. Jahrhundert noch erhalten. Der neue Hafen, 1925 nördlich des alten Hafens komplett neu errichtet, ist ebenfalls noch zu sehen.  Der Segelhafen, der 1975 angelegt wurde, ist der neueste der Häfen. Stefanie Robl Matzen stellt fest: „Es ist ja generell ein Trend in den Hafenstädten der Welt, dass plötzlich nicht mehr Wirtschaft und Schifffahrt im Mittelpunkt stehen, sondern auch Vergnügen und Freizeit.“

Aber es gibt noch ältere Anzeichen: So  waren zum Beispiel in dem immer noch erhaltenen, länglichen Gebäude am Ende der Rådhusgade einmal  Arbeiterwohnungen, die um den alten Hafen herum lagen. Im 19. Jahrhundert verdienten die Arbeiter ihr Geld in den sechs Schiffswerften der Stadt.

Das dahinter gelegene Gebiet um die Skibbrogade war das ehemalige Schifferviertel, ein noch älteres Relikt aus der Zeit der Seefahrt in Apenrade. Die dort stehenden Häuser  von 1730 bis 1800 zeigen den Reichtum, den die Schiffe von ihren Weltumsegelungen mit in die Stadt brachten. Auf den Tafeln an den Häusern ist noch heute zu lesen, welcher Reeder oder Kapitän das Haus  erbaut hat.


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