Aus: Der Nordschleswiger

„Energiewende“ im Hause Fuglsang

09.10.2014 | 15:05 |

Ute Levisen

Wärmepumpe auf dem Dach: 15-Millionen-Kronen-Investition der Mälzerei Fuglsang reduziert Energieverbrauch um etwa 40 Prozent

Brauerei-Direktor Claes Fuglsang (li.) und Betriebsleiter Brian Duus erläutern die Funktionsweise der Wärmepumpe.

Die Wärmepumpe thront nun mit ihren 62 Tonnen auf dem industriellen Wahrzeichen der Stadt. Fotos: Ute Levisen

Hadersleben/Haderslev  Seit dem 1. Oktober läuft die neue Wärmepumpe bei „Sophus Fuglsang Export-Maltfabrik“ in Hadersleben – bis auf kleinere Justierungen tadellos, wie Direktor Claes Fuglsang verrät. Kostenpunkt der Anlage: 15 Millionen Kronen. Brutto.

Stolze 62 Tonnen bringt der computergesteuerte Koloss, der seit Kurzem auf der 42 Meter hohen Trocknungsanlage der Mälzerei thront, auf die Waage. Der charakteristische und weithin sichtbare Turm der Mälzerei, ein industrielles Wahrzeichen der Stadt, ist von Anfang an so konzipiert worden, dass er dieses Gewicht auch „stemmen“ kann. Da die Produktion des Familienunternehmens extrem energieintensiv ist, muss dessen Leitung proaktiv planen, sich stets auf die geänderten Gegebenheiten des Energiemarktes einstellen. So auch 1995. Damals förderte man den  Betrieb von Kraftwärmewerken. Fuglsang reagierte und investierte damals in zwei Gasmotoren. Der soeben vollzogene Umstieg auf die Wärmepumpe  ist das Ergebnis der Energievereinbarung von 2012: Gas wurde teurer, Strom billiger. Zeit für ein Umschwenken, befand die Konzernleitung: Sie gab im Dezember des Vorjahres die Wärmepumpe in Auftrag und vollzog somit ihre ganz eigene „Energiewende“. Die Testphase im September habe sich gut angelassen, erzählt Betriebsleiter Brian Duus bei einer Führung durch den Maschinenraum – hoch oben über den Dächern der Domstadt. Dort arbeitet die Anlage bei einem Geräuschpegel von ca. 90 Dezibel seit 1. Oktober im Dauerbetrieb. Claes Fuglsang rechnet damit, dass sich die Pumpe in vier bis sechs Jahren amortisiert – „je nachdem, wie sich die Energiepreise entwickeln“.

Der Direktor ist sich sicher, dass die Millionen gut ausgegeben sind, nicht zuletzt, weil es sich um eine politisch erwünschte, umweltschonende Form der Energieerzeugung handelt und diese daher mit ca. vier Millionen Kronen durch die Maßnahme „Energiselskabernes Energispareindsats“ gefördert wird.

 

 

 

 

Infobox:

Malztrocknung auf schonende Art

 

Im Malzturm wird das Malz binnen 48 Stunden bei steigenden Temperaturen von ca. 60 bis 85 Grad Celsius getrocknet; zugleich reduziert sich der Wasseranteil von ca. 45 auf vier Prozent. Seit Kurzem erfolgt die Malz-Trocknung mithilfe einer mit Strom betriebenen Wärmepumpe. Diese entzieht selbst frostiger Feuchtluft Wärme. Mithilfe der Ammoniak-Wärmepumpe wird die Wärme kondensiert und in die Trocknungsanlage geblasen. Die Wärmepumpe hat eine Leistung von 2,4 Megawatt, die sie an die Trocknungsanlage abgibt, was wiederum der Wärme von etwa 2.400 aktivierten Toastern entspricht. Die Abluft  der Mälzerei von 30 Grad wird mithilfe der Pumpe für das Vorwärmen der Außenluft auf 50 Grad genutzt.

„Vereinfacht ausgedrückt, bekommen wir 20 Grad zu einem günstigen Preis und schonen zugleich die Umwelt, da hierbei keine fossilen Stoffe verbrannt werden“, erläutert Claes Fuglsang.


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