Aus: sh:z-Tageszeitungen

Nepal-Wanderung für sauberes Wasser

16.10.2014 | 14:53 |

Cornelia Pfeifer

Christian Vlasak, Student für Energie- und Umweltmanagement, wird für den Verein Viva con Agua in Asien zwei Projekte besuchen

Wasser-Marsch: Christian Vlasaks Engagement in Nepal erfordert auch Körpereinsatz.

Flensburg. Eine sechsstündige Wanderung über 1000 Höhenmeter, eine Übernachtung in einem Dorf ohne fließend Wasser und sanitäre Einrichtungen – der Flensburger Christian Vlasak bricht Ende des Monats zu einem echten Abenteuer auf. Bei der Reise nach Nepal handelt es sich allerdings um keinen Urlaub; der 28-jährige Student ist im Auftrag des Vereins Viva con Agua unterwegs. Dieser setzt sich dafür ein, die Trinkwasserversorgung und Verfügbarkeit sanitärer Anlagen in Entwicklungsländern zu verbessern. 2010 hat Christian Vlasak zusammen mit seinem Kommilitonen Sascha Köhn in Flensburg eine sogenannte „local crew“, eine lokale Gruppe von Viva con Agua, gegründet. Sie vertreiben hier das Viva-con-Agua-Wasser, ein Mineralwasser aus Husum, von dessen Erlös 60 Prozent in Projekte in aller Welt fließen. Außerdem veranstalten die beiden jungen Männer Kochevents und Kleidertausch-Partys, um zusätzliche Gelder einzuwerben.

Als Dank für ihr jahrelanges Engagement haben Vlasak und Köhn jetzt ab dem 30. Oktober die Möglichkeit, nach Nepal zu reisen, um mit eigenen Augen zu sehen, wofür das Geld von Viva con Agua eingesetzt wird. Der Verein initiiert nämlich keine eigenen Projekte, sondern arbeitet mit der Welthungerhilfe zusammen. „Viva con Agua geht sehr offen mit Informationen um, ich kann mir alle Zahlen und Bilder ansehen. Aber selber vor Ort zu sein, ist natürlich etwas ganz anderes“, sagt Christian Vlasak. Zusammen mit Sascha Köhn, dessen Bruder Patrick und der Hamburgerin Dorina Bruhn will er später auch in den Veröffentlichungen von Viva con Agua über die Fortschritte vor Ort und seine Erfahrungen in Nepal berichten. Vor Ort geht es deshalb in erster Linie darum, zwei Projekte der Viva con Agua-Partnerorganisationen zu besuchen. Insgesamt unterstützt Viva con Agua die vierjährigen Wasser-Projekte in Nepal mit 50 000 Euro. In dem kleinen Dorf Korak beispielsweise entstehen freistehende Toilettenhäuser und Quelleneinfassungen, damit die Frauen im Dorf nicht mehr zweimal täglich weite Wege bis zum nächsten Fluss zurücklegen müssen. Außerdem sollen die Bewohner in hygienischen Grundlagen geschult werden. „Wir erklären den Leuten beispielsweise, wie wichtig Händewaschen ist – und dass das viel eher ein Auslöser für Krankheiten ist, als wenn jemand einen moralischen Fehltritt begangen hat“, erklärt Christian Vlasak. Er studiert in Flensburg Energie- und Umweltmanagement und freut sich darauf, in Nepal mit den Menschen in Kontakt zu kommen und zu kommunizieren – „wenn auch ohne Worte, aber wir haben Dolmetscher dabei“.

Überhaupt in das Dorf Korak zu kommen, wird allerdings nicht ganz einfach. Es gibt dorthin keine Straßen, deshalb müssen die jungen Deutschen erst einmal eine sechsstündige Wanderung über 1000 Höhenmeter auf sich nehmen. Christian Vlasak hofft, dafür fit genug zu sein. Im vergangenen Jahr musste einer der Besucher nämlich in einem Dorf auf halber Strecke zurück gelassen werden, weil seine Kondition nicht ausreichte. „Das passiert uns hoffentlich nicht.“

Nach Nepal wollte Vlasak ohnehin immer schon einmal in den Urlaub fahren, jetzt verbindet er das Schöne mit dem Nützlichen und hängt an den Aufenthalt mit Viva con Agua eine zweiwöchige Tour durch das Land an. „Wenn man schon einmal da ist, muss man das auch ausnutzen“, erklärt Vlasak. Aber auch das wird mitnichten ein Pauschalurlaub – „wir reisen mit Bussen und Zügen durchs Land. Gebucht haben wir noch nichts.“

Billig wird das Ganze für ihn trotzdem nicht – „mit 2000 Euro werden wir mit Flug und allem wohl rechnen müssen“, sagt er. Vlasak findet es aber gut, dass Viva con Agua von den Teilnehmern der Projektreisen verlangt, die Kosten selber zu tragen – „das Geld, dass wir für den Verein sammeln, ist schließlich für die Menschen vor Ort bestimmt“.

In den nächsten Wochen planen Christian Vlasak und sein zweiköpfiges Team in Flensburg übrigens noch zwei Veranstaltungen für Viva con Agua: Am 26. Oktober von 11 bis 16 Uhr findet die „Stoffwechsel-Party“ im Kühlhaus statt – jeder Gast bringt sechs Kleidungsstücke und nimmt sechs andere wieder mit. Der Eintritt in Höhe von einem Euro geht an den Verein. Die zweite Veranstaltung findet am 22. November ab 17.30 Uhr statt. Bei „Rudi rockt“ treffen sich jeweils drei 2er-Teams in drei verschiedenen Wohnungen, um drei verschiedene Gänge zu kochen. Anschließend geht es zur Aftershow-Party ins Volksbad. Auch hier geht der Eintritt an Viva con Agua. Anmelden kann man sich unter www.rudirockt.de.


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