Aus: Der Nordschleswiger

Erstes Highlight war ein Besuch in Brüssel

25.09.2014 | 16:28 |

Dominik Dose

Sinje Wendrich und Christian Minke sind zwei von zurzeit 144 Jugendlichen an der Rejsby Europæiske Efterskole – und sind hellauf begeistert

Liebt ihre Arbeit an der Nachschule über alles: Annette Brender.

Reisby/Rejsby. An einem  einzigen Tag sowohl in Brüssel und Barcelona als auch in  London und Berlin unterrichtet werden. Kaum vorstellbar – doch an der „Europæiske Efterskole“  in Reisby ist das überhaupt kein Problem, denn die Klassenräume sind nicht wie üblich durchnummeriert, sondern tragen die Namen großer europäischer Städte.

 Christian Minke und Sinje Wendrich besuchen die Schule in diesem Jahr und sind hellauf begeistert. „Es ist einfach toll hier, der Unterricht macht riesigen Spaß und man lernt unglaublich viel“, erzählen die beiden. Der Unterrichtsplan ist in der Tat sehr speziell und vor allem prall gefüllt. Nach dem Frühstück schauen alle 144 Schüler zusammen mit den Lehrern die Nachrichten und diskutieren anschließend über die Geschehnisse im Land und der Welt. Danach wird gemeinsam gesungen, ehe der eigentliche Unterricht beginnt, dessen Schwerpunkt vor allem auf Sprachfächern und Gesellschaftskunde liegt.

Anschließend folgt das gemeinsame Mittagessen. Bis zum Abendbrot um 17.30 Uhr besucht jeder Schüler seine Wahlfächer: Drei muss jeder wählen, maximal sechs dürfen belegt werden.   Von 18 bis 19.30 Uhr werden Hausaufgaben gemacht.   Spätestens um 22 Uhr muss dann jeder auf seinem Zimmer sein und ab 22.30 Uhr wird das Internet abgestellt. Ein langer Tag somit, der  sehr anstrengend sein kann.

„Abends bin ich meistens todmüde und schlafe sofort ein. Morgens habe ich oft Probleme, aus dem Bett zu kommen“, erzählt der 14-jährige Christian. Da das Frühstück allerdings genau wie das Mittagsessen für alle Schüler verpflichtend ist, sollte es nicht zu oft vorkommen, dass man verschläft. „Wer nicht rechtzeitig beim Frühstück ist, bekommt einen Vermerk“, ergänzt Sinje,  „bei drei Vermerken muss man noch früher aufstehen und dem Hausmeister  beim Fegen des Schulhofs helfen. Deswegen passe ich auf, dass ich immer rechtzeitig da bin. Einmal habe ich allerdings schon verschlafen“, berichtet sie grinsend und  ist fest entschlossen, niemals vor dem Frühstück den Schulhof fegen zu müssen.

Trotz aller Anstrengungen machen die langen Tage den beiden überhaupt nichts aus. „Man ist die ganze Zeit mit Menschen zusammen, die man mag –  da macht es nichts, dass die Tage so lang sind, dafür lernen wir hier eine Menge. Wir wussten ja, was auf uns zukommt, als wir uns für diese Schule entschieden haben“, sind sich beide einig, dass diese Efterskole die richtige Wahl war.

Lernen in „Barcelona“, „Berlin“ und „Brüssel“ – an einem einzigen Tag

Damit sich die Schüler schneller untereinander kennenlernen, wurden klassenübergreifende  Kontaktgruppen gegründet, die  aus zehn Schülern und einem Lehrer bestehen.  „Die Kontaktgruppen sind super, man hat dort immer jemanden zum Reden, wenn es Probleme gibt oder man Heimweh bekommt“, so Sinje. Mit Heimweh haben die beiden aber bisher keine Probleme. „Meinen Hund vermisse ich ein bisschen“, erzählt Christian. „Und ich meinen großen Bruder“, fügt Sinje hinzu.

Sinjes großer Bruder, der mittlerweile in Aarhus studiert, ist auch einer der Gründe, warum sie sich für die Efterskole in Reisby entschieden hat. „Er war selber früher hier und hat so von der Schule geschwärmt, da war für mich klar, dass ich auch hier her möchte“, so die 15-jährige Husumerin.

Christian, der in der Schule zwei Klassen überspringen konnte, hat sich auf Rat seines ehemaligen Lehrers für die Schule entschieden. „Er empfahl mir, mit 14 Jahren noch nicht aufs Gymnasium zu gehen, sondern mich auf der Efterskole erst noch sprachlich weiterzuentwickeln“, berichtet der Haderslebener, der später Molekularmedizin in Aarhus studieren möchte.

Sinje hingegen hat noch keine Pläne, wie ihre Zukunft aussehen soll, weiß aber: „Ich möchte ganz viel reisen, deswegen ist es toll, dass ich hier Deutsch-, Dänisch-, Englisch- und Spanisch-Unterricht wählen kann.“

Als erstes großes Highlight des Schuljahres stand Mitte September ein Besuch in Brüssel an –  und diesmal war nicht der Klassenraum gegenüber dem Speisesaal gemeint, sondern der Sitz des Europäischen Parlaments und der EU-Kommission in Belgien, die gemeinsam besichtigt wurden.


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