Aus: Der Nordschleswiger

Mitten auf dem Land macht Ulis Musik Schule

04.09.2014 | 14:33 |

Sarah Wasmund

Es ist sein 56. Geburtstag und der erste Musikschüler des Tages fährt über den knirschenden Kies auf den Dreiseithof von Ulrik v. Birckhahn.

Der gelernte Glasschleifer und Siebdrucker hat vor drei Jahren sein Hobby Musik zum Beruf und sich mit einer Musikschule selbstständig gemacht. Hier in v. Birckhahns Tonstudio, in dem er mit Schülern mitunter Platten aufnimmt. Foto: Sarah Wasmund

Seit 46 Jahren lebt der aus Deutschland ausgewanderte Gitarrenliebhaber nun schon als  aktiver Musiker,  seinen  ersten Gitarrenunterricht erhielt Ulli, wie er von seinen Schülern genannt wird,  als er zehn Jahre jung war. Seit drei Jahren gibt der Musiker und Pädagoge seine Freude an der Musik nun auch im Rahmen seiner Musikschule „SeptemberStudiet“ weiter.

Dass sein Geburtstag kein Grund ist, den Unterricht ausfallen zu lassen, versteht sich für den Musiker aus Leidenschaft von selbst. Während  Schüler Søren Bjerringgaard seine Gitarre auf die Veranda stellt, um dann nochmal schnell ins Dorf zu fahren, um etwas zu holen, erzählt Ulrik v. Birckhahn von seinem Leben als privater Musiklehrer in Nordschleswig.

„Ich möchte Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zeigen, dass sie Musik selbst machen können. Dass Musik keine Sache für Rockstars ist. Ich möchte ihnen zeigen, dass Musik begeistert und dass es nicht schwer ist, ein Instrument zu spielen“, sagt Ulrik v. Birckhahn. „Mein Anliegen ist es, die musikalische Grundversorgung auf dem Land zu sichern. Die kommunalen Musikschulen liegen in den Städten. Und meistens sind die Einheiten nur 20 Minuten lang. Das ist für kleine Kinder sicher genug, aber wenn die Schüler älter sind, brauchen sie länger, um sich darauf einzulassen und in einer entspannten Atmosphäre Musik zu machen“, so der Musiker, dessen Unterrichtseinheiten eine Stunde lang sind.

Nach dem Umzug nach Nordschleswig arbeiteten v. Birckhahn und seine Frau zunächst als Kunsthandwerker. Nachdem seine Frau vor drei Jahren schwer erkrankte,  machte er sich mit der Musikschule im Haus selbstständig, um in der Nähe seiner Frau sein zu können. „Ich habe früher als Pädagoge gearbeitet und hatte immer Spaß daran, die Musik und den Spaß daran weiterzugeben“, erzählt v. Birckhahn, der nach dem Tod seiner Frau nun alleine auf dem Hof lebt.

Unterrichtsmaterial wie Noten und Lieder stellt er größtenteils selbst her, kleinen Kindern bringt er das Spiel auf Saiten auf der handlicheren Ukulele bei und  wer von seinen Schülern möchte, kann eine Platte im eingebauten Studio aufnehmen.

Rund 20 Schüler von sieben Jahren bis Mitte 50 hat er derzeit und hofft, dass im Zuge der Schulreform nun auch noch mehr Schulen von seinem Angebot profitieren wollen. „Generell ist es durch die Schulreform und die langen Schultage eher schwerer geworden, auch noch Musikunterricht in den Tag einzuplanen.  Auf der anderen Seite  ist der Musikunterricht an den Schulen  immer weniger geworden. Aber grundsätzlich sollte doch am besten jeder eine musikalische Grundausbildung haben“, findet der 56-Jährige, der durch Auftritte mit  lokalen Bands wie Six Pack oder Trouble Band zu hören war.

Dass an seinem Geburtstag mitten auf dem Land die Musik spielt – ein schöneres Geschenk hätte man Ulrik v. Birckhahn wohl kaum machen können...

Weitere Informationen zu Ulrik v. Birckhahns  Musikschule für Gitarre, Bass, Ukulele, Bariton, E-Gitarre und  Notenlehre unter www.septemberstudiet.dk oder als Hörprobe auf dem Portal Soundcloud Stichwort „Septemberstudiet“.


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