Aus: JydskeVestkysten

Glenns Gimmick ist ein Käfer

04.09.2014 | 14:42 |

Birthe Juul Mathiasen

Mal etwas anderes: Warum eigentlich muss alles immer auf Hochglanz poliert werden? – Fragt sich Glenn Schmatz, der mit seinem Rat Rod gestylten Oldtimer Leben auf die Straßen bringt.

Der Käfer ist als Oldtimer versichert und kommt daher lediglich im Sommer auf die Straße. Da die Kinder anderthalb, sechs und neun Jahre alt sind, stieg die Familie auf einen neueren Mazda Kombi als Familienauto um. Dieser ist die vernünftige Wahl.

Sonderburg/Sønderborg.  Wenn Glenn Schmatz tagsüber mit seinem blauen Kranwagen durch die Gegend fährt, dreht sich kaum jemand nach ihm um. Anders im Sommer, wenn er zur Arbeit fährt. Dann tuckert er in einem Oldtimer von Hestehave auf Kær Halvø nach Sonderburg. Dieses Vehikel aber sorgt für Aufsehen: Rostig sieht es aus und lärmt wie eine Harley. Vom Dachgepäckträger ragen Ski, alte Bierkästen und Tennisschläger gen Himmel.

Glenn Schmatz winkt ab: „Alles alter Krempel!“

 

Dieser Plunder ist indes mit allergrößter Sorgfalt ausgewählt worden: Er soll an die gute alte Zeit erinnern und ist zugleich Glenn Schmatz´ Interpretation des sogenannten Rat-Rod-Fimmels, der viele Amerikaner dazu bewegt hat, ihre Oldtimer im Stil der 40er, 50er und 60er Jahre zu dekorieren.

„Ich fand das irgendwie witzig“, sagt Glenn Schmatz, „und die Leute auch. Wenn wir durch die Gegend fahren, sagen die Kinder oft: Guck mal, Papa, jetzt machen die Leute wieder Fotos von uns!“

 

Seinen Käfer hat Glenn Schmatz in einem Blanser Hühnerstall aufgespürt, wobei es keinesfalls in den Sternen stand, dass ihm das Gefährt einmal gehören würde. Ein älterer Herr erwarb das Automobil, und Glenn Schmatz, der gelernter Mechaniker ist, sollte ihm eigentlich nur dabei helfen, das Auto instand zu setzen. Doch dann starb der Besitzer, und dessen Frau fragte Glenn Schmatz, ob er den Wagen haben wolle. Er wollte.

Schmatz machte den Oldtimer fahrtüchtig und verzierte den Dachgepäckträger mit altem Plunder: einer Hupe, einem Michelin-Mann. Einem Fuchsschwanz und einem Regenschirm. Ein Gegenstand folgte dem nächsten. Hinzu kamen Aufkleber früherer Tankgesellschaften und andere Nippsachen.

„No fat chic, please!“ steht auf der Frontscheibe. Auf dem Rücksitz liegen ein Verstärker und ein Subwoofer, sodass der Fahrer mit seiner Diskothek auf Rädern ordentlich aufdrehen kann.

„Ein toller Wagen“, findet Glenn Schmatz.

Manchmal fährt seine Frau Tina, die bei einer privaten Heimhilfefirma arbeitet, mit dem Auto zur Arbeit, und auch bei den älteren Herrschaften sorgt das Automobil für Jubel: „Die alten Leute können sich ja noch gut an jene Zeiten erinnern, in denen man alles Mögliche auf dem Dach transportierte“, sagt Glenn Schmatz. Obwohl der Oldtimer mit zumindest einem Ski ausgestattet ist, bleibt er bei Schneefall in der Garage. Das Auto ist als Oldtimer versichert und fährt daher nur im Sommer. Da die Kinder anderthalb, sechs und neun Jahre alt sind, ist das Familienauto ein neuerer Mazda Kombi: die vernünftige Wahl.

Das Herz aber schlägt für das rostige Vehikel. Zu Hause hat Glenn Schmatz zudem einen alten Ferguson stehen, an dem er leidenschaftlich gern herumschraubt. Und dann träumt er von einem Motorrad, einer Harley natürlich.

 

Infobox:

 

Glenn Schmatz

Ursprünglich gelernter Lastwagenmechaniker bei Mercedes in Sonderburg. Hat seither in Rinkenis gearbeitet, bis er in das Familienunternehmen seines Vaters Jan Schmatz und Onkel Bent Schmatz eingestiegen ist, die in zweiter Generation den Familienbetrieb „Schmatz & Sønner“ betreiben. „Schmatz & Sønner“ übernehmen unter anderem Umzüge, die Aufbewahrung von Möbeln und den Verleih von Containern. Sie verrichten zudem kleinere Kran- und Grabungsarbeiten.


Seite drucken