Aus: Flensborg Avis

Deutsch-dänischer Rettungsanker für eine deutsche Eisenbahn

11.09.2014 | 09:58 |

Holger Johannsen

Zugbetrieb. Eine aktuelle Expertenanalyse stellt die Zukunft der dampfenden Touristenattraktion infrage. Der Vorsitzende des Fördervereins setzt indes auf öffentliche Zuschüsse und eine forcierte Zusammenarbeit mit einem neuen Partner in Nordschleswig.

Die Museumsbahner hoffen, dass sich der Kreis Schleswig-Flensburg und die betroffenen Gemeinden mit Zuschüssen an der Sanierung des Schienenstrangs beteiligen werden. (Foto: privat)

Kappeln. Peter Hamisch hat eine Vision: „Wenn Touristen unsere Grenzregion besuchen, sollen sie zwischen vielen verschiedenen Angeboten wählen können: einem Besuch auf Schloss Glücksburg und  Sonderburger Schloss; sie können auf der Schlei segeln, mit unserem Museumszug fahren – oder die Dampfeisenbahn nach Nordschleswig nehmen“, zählt der Vorsitzende des Vereins „Angelner Dampfeisenbahn“ auf. Und er fügt hinzu:

„Und wenn dann noch all diese touristischen Attraktionen zusammen vermarktet werden würden,  bekäme der Tourismus in unserer Grenzregion spürbare Impulse.“

Bevor es aber so weit ist, müssen erst noch einige Dinge geregelt werden. Momentan kämpft die „Angelner Dampfeisenbahn“ ums Überleben.

 

Expertenuntersuchung

 

Eine Hamburger Analysefirma hat eine druckfrische Expertenuntersuchung vorgelegt, die zu dem Schluss kommt, dass es einer Millionensumme bedarf, um die Museumsbahn, die seit vielen Jahren Touristen zwischen Kappeln und Süderbrarup transportiert, fit für die Zukunft zu machen.

Die „Angelner Dampfeisenbahn“ könne sich zwar noch viele Jahre über Wasser halten, heißt es unter anderem in der Expertenuntersuchung. Doch müssten zwei Millionen Euro in die Instandhaltung der Schienen auf dieser Strecke investiert werden.

Mithilfe dieser Millionen soll der Schienenstrang zwischen Kappeln und Süderbrarup auf Vordermann gebracht sowie eine Remise für die Lokomotive gebaut werden. Zudem müsse ein neues Konzept für eine zeitgemäße Vermarktung der Dampfeisenbahn entwickelt werden.

Die offene Frage lautet indes: Wer soll das bezahlen?

Die Museumsbahner hoffen auf die Unterstützung des Kreises Schleswig-Flensburg und dass sich die betreffenden Gemeinden mit einem Zuschuss an der Sanierung des Schienenstrangs beteiligen. Dieser soll etappenweise über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren erneuert werden. Diese Arbeiten werden allein mit schätzungsweise 1,6 Millionen Euro zu Buche schlagen.

„Für die Schienen ist ja ohnehin der Kreis zuständig; sie gehören nicht der Angelner Dampfeisenbahn“, wie der Vorsitzende Peter Hamisch klarstellt.

 

Die Finanzkrise

 

Doch die öffentliche Hand ist seit der Finanzkrise weitaus zurückhaltender geworden, wenn es darum geht, sich finanziell an neuen Projekten zu beteiligen. Es wird daher keine einfache Aufgabe sein, die Kreispolitiker davon zu überzeugen, eine historische Dampfeisenbahn im Finanzetat des Kreises zu berücksichtigen. Daher sieht sich die Angelner Dampfeisenbahn nun nach neuen potenziellen Partnern um. Im Vorjahr wurde eine neue grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der Museumsbahn Haderslev-Vojens sozusagen „auf die Schiene“ gebracht.

„Die Zusammenarbeit mit unseren neuen Partnern nördlich der Grenze soll nun intensiviert werden, gern mit Blick auf eine künftige strategische Partnerschaft, die langfristig das Überleben der Museumsbahnen sowohl nördlich als auch südlich der Grenze gewährleisten kann“, wie Peter Hamisch sagt.

 

Infobox:

Die Angelner Dampfeisenbahn

Die Angelner Dampfeisenbahn ist eine Museumsbahn in Angeln, die 1979 gegründet wurde.

Die Dampfeisenbahn pendelt auf der etwa 15 Kilometer langen Strecke zwischen Kappeln und Süderbrarup.

Die Sammlung des Museumsbahn-Vereins ist überaus umfangreich: Neben schwedischen und norwegischen Waggons verfügt der Verein über eine dänische Dampflok.

Weitere Informationen über die Museumsbahn unter www.angelner-dampfeisenbahn.de


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