Design

Die Frühjahrskollektion 2009 ist fast fertig

09.05.2009 | 14:12 |

Angela Jensen

Design gehört zum dänischen Alltag wie das allgemeine Duzen. Nicht nur in den großen Städten werden Trends erfunden, wie Lotte Nørbjerg Pedersen aus Sonderburg zeigt.

Schon als Teenager hat Lotte Nørbjerg Pedersen mit dem Schneidern angefangen: "Meine Barbie-Puppen bekamen ständig neue Outfits, und deswegen haben meine Mutter und ich angefangen, alles Mögliche zu nähen." Hosen, Blusen, Kleider - die Leidenschaft für Mode und Design war geweckt.

Heute hat die 26-jährige Sonderburgerin eine fundierte Ausbildung in Modedesign hinter sich: Praktikum in einer Schneiderei, Studium zur Design-Technologin und Aufbaustudium in Industriedesign. Sie hat bei "Oxmo", einem dänischen Modelabel, gearbeitet und war schon kurze Zeit selbstständig. "Da hatte ich zwar gut zu tun, doch mir fehlten die Kollegen, der Kreativaustausch."

 

"Ich bin Feuer und Flamme für meinen Beruf"

Seit August 2007 arbeitet Lotte wieder angestellt als Designerin bei Møller & Co. in Sonderburg. Das Unternehmen, das 1902 in Flensburg gegründet worden ist, kreiert Mode für Frauen, Männer und Kinder. Lotte Nørbjerg Pedersen und ihre Kollegen entwerfen fünf Hauptkollektionen pro Jahr mit rund 120 verschiedenen Kleidungsstücken, zu Weihnachten dann noch festliche Mode. "Das kann manchmal ganz schön stressig sein. Schließlich haben wir nur rund sechs Wochen Zeit, um mit den Kollektionen fertig zu werden - aber ich bin Feuer und Flamme für meinen Beruf", erzählt die junge Designerin mit leuchtenden Augen.

Ideen hat "die flotte Lotte" mehr als genug. Sie beobachtet gern Menschen und deren Outfit und lässt sich von den Kollektionen in Geschäften inspirieren. Ab und zu reist das Kreativ-Team auch mal in die Metropolen Europas, um Trends direkt auf der Straße zu erforschen ("Wir sind unsere eigenen Trendscouts - das macht Spaß."). Dann geht’s in Hamburg auf die Reeperbahn, nach Kopenhagen zur Modewoche und zwischendurch nach München und Stockholm. Ein richtiges Jet-Set-Leben! Die kreativen Köpfe brauchen Input von außen.

Beim Entwerfen helfen die modernen Zeichen-Programme auf dem Computer

Momentan arbeitet die blonde Dänin als Designerin für Herrenmode. Die Details sind ihr besonders wichtig - hier eine kleine extra Niete, dort eine mit buntem Stoff gefütterte Kapuze. Das Modelabel "Ross River" soll klassisch, jugendlich und frisch wirken. Für den Mann ab 30, als stilvoller Freizeitlook, mit den kleinen, aber feinen Extras. Lotte kennt sich aus, sie weiß was "Mann" wünscht. In ihrer knapp bemessenen Freizeit näht oder bedruckt sie gern Klamotten für ihre beiden jüngeren Brüder oder ihren Freund.

"Mode für mich selbst? Dazu habe ich im Moment kaum Zeit." Denn in diesem Frühjahr steht etwas Besonderes ins Haus: ein Brautkleid für ihre beste Freundin. Individuell, typgerecht, romantisch - man heiratet doch nur einmal. Ein schickes Braut-Kleid ist auch für die routinierte Lotte eine Herausforderung. Es soll exakt auf ihre Freundin zugeschnitten sein. Dazu Stoff aussuchen und Schnitt anfertigen. Beim Entwerfen helfen die modernen Zeichen-Programme auf dem Computer.

Design muss nicht zwangsläufig teuer sein

Sowieso entstehen die einzelnen Kleidungsstücke immer erst am PC, dann am Reißbrett, und wenn das Team die Ideen abnickt, werden Stoffproben bestellt. Dabei wird besonders auf Farbgebung und Qualität geachtet. "Auf dem Computer kann man den Stoff nicht anfassen, und auch die Farbe zeigt sich nicht optimal", erklärt Lotte. Schließlich werden die kreierten Hosen, Jacken, T-Shirts, Hemden in echt produziert. Lotte lässt sich Probestücke kommen, prüft deren Qualität und verändert. Steht dann die Kollektion, geht es in die endgültige Produktion. Momentan ist die Frühjahrskollektion 2009 dran. "Ohne den langen Vorlauf würde man nicht rechtzeitig fertig werden", weiß die Designerin.

Lotte Nørbjerg Pedersen ist immer auf der Suche nach neuen Designs und stöbert dafür sogar auf Flohmärkten. Design muss nicht zwangsläufig teuer sein - "es muss mir nur gefallen" und darf auch gerne klassisch und stilecht sein. Dänemark - das ist bekannt - kann sich auf dem Mode-Weltmarkt sehr gut behaupten. Die Dänen gehen selbstbewusst mit ihren Ideen um und präsentieren eine einfache, dennoch raffinierte Mode, findet Lotte. Ihr fallen gleich mehrere große dänische Mode-Namen wie zum Beispiel "Marlene Biver" ein.

Werin Dänemark etwas auf sich hält, kauft "designed by"

Design ist branchenübergreifend ein Modewort in Dänemark geworden - Lampen, Möbel, Mode… wer in Dänemark etwas auf sich hält, kauft "designed by … das sieht auch Lotte Nørbjerg Pedersen so. "Manchmal übertreiben es die Dänen mit dem Design-Fimmel ein bisschen", findet sie allerdings. Lotte mag es lieber individuell.

Und was fällt der quirligen Kreativ-Frau zu deutschem Design ein? Es kommt wie aus der Pistole geschossen: "Karl Lagerfeld - den bewundere ich sehr", sagt sie und träumt - wie manch andere junge Modedesigner auch - von einem eigenen Label.


Seite drucken